Auf diese Frage bin ich auf dem Blog des Kollegen Hendrik Epe gestoßen. Unter dem Titel “Neue Organisationsformen in der Sozialwirtschaft” stellt Hendrik einige interessante Thesen auf, die ich in meinem Beitrag aus Sichtweise des messbaren, kulturellen Wertemanagements betrachte.

Hendrik schreibt:

Es braucht völlig neuartige Organisationen bzw. Organisationsformen.

(…)

Organisationen, auch und gerade Organisationen der Sozialwirtschaft, müssen in der heutigen, immer komplexer werdenden Zeit, in der Lage sein, schnell auf geänderte Bedingungen, geänderte Anforderungen, geänderte Bedürfnisse – einerseits der Leistungserbringer, andererseits der Leistungsträger – reagieren zu können.

(…)

Darüber hinaus agieren die Professionellen zu überwiegenden Teil in organisationalen Kontexten – in Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Verwaltungen, bei freien Trägern oder auch privaten Einrichtungen.

Ich bin da anderer Meinung und denke, neue Organisationsformen sind in dieser Frage nicht notwendig.

Aus meiner Sicht, verändern sich Organisationen nicht, sondern Menschen verändern sich.

Organisationen sind soziale Einheiten von Menschen, die geschaffen und strukturiert sind, bestimmte, kollektive Ziele zu verfolgen.

Ich verstehe eine Organisation als eine soziale Einheit von Menschen, die geschaffen und strukturiert ist, bestimmte, kollektive Ziele zu verfolgen. Organisationen zeichnen sich für mich durch eine Führungsstruktur aus, die die Beziehungen der einzelnen Mitglieder untereinander, sowie die Verantwortungsbereiche für die Durchführung ihrer Aufgaben definiert. Und sie sind offene Systeme, d.h. sie üben Einfluss aus und werden selber von Ihrer Umwelt beeinflusst.

In diesem Sinne ist eine Organisation für mich lediglich ein Konstrukt oder eine Hülle, in der sich einzelne Menschen – im besten Fall verbunden durch dieselben Ziele – engagieren.
Die Organisation an sich wird sich nicht ändern, sondern die Menschen innerhalb der Organisation werden sich aufgrund interner und externer Einflüsse verändern und damit letztendlich die Organisation beeinflussen.

Hendrik beschreibt diesen Aspekt ebenfalls, verbunden mit dem Begriff “Ganzheitlichkeit”:

Die Mitarbeitenden in Organisationen der Sozialwirtschaft sind mit ihrer ganzen Person dabei, mit ihren Gefühlen, Zweifeln, Bedenken, mit ihrem ganzen Leben. Dazu sollten sie noch aus einer professionellen Perspektive mit einer professionellen Identität handeln.
(…)
Der ganze Mensch wird gehört, der ganze Mensch wird beteiligt. Familiäre Probleme ebenso wie Zweifel an den durch die Geschäftsleitung angeordnete Neuausrichtung der Organisation werden ernstgenommen und finden ihren Platz in den Organisationen.

Die Aufgabe von Führungs- und Leitungskräften innerhalb einer Organisation bestehen für mich darin, für Stabilität und Wachstum zu sorgen, indem sie den Beschäftigten die bestmöglichen Rahmenbedingungen für ihre Arbeit schaffen.

Grundlage dafür sind in vielen sozialen Organisationen die entwickelten Leitbilder und Visionen, die sich oft auch auf die traditionellen Werte der Verbände berufen.

Da jeder Mensch bewusst oder unbewusst durch ein eigenes Wertesystem gelenkt wird, erkennt er auch sehr schnell, ob ein anderer Mensch seine Werte authentisch lebt, oder nicht.

Führungs- und Leitungskräfte müssen also als überzeugende Vorbilder voran gehen, wenn es darum geht, werteorientierte Leitbilder in der Praxis zu leben.

Persönliche Werte sind eng mit den Werten der Organisation verbunden

Dabei sind die persönlichen Werte sehr eng mit den Werten der Organisation verbunden:

Die – in der Regel nicht sichtbare – Persönlichkeit eines Menschen setzt sich aus den individuellen Werten und Überzeugungen zusammen und wird nach Außen hin durch den Charakter deutlich, der sich in individuellem Verhalten zeigt.

Eine Organisation hat genauso – eine meist unsichtbare – Kultur, die sich aus gesellschaftlichen Werten und Überzeugungen zusammensetzt.
Diese wird wiederum in ihrem gesellschaftlichen Verhalten nach Außen sichtbar.

Wenn sich Menschen mit einer Organisation identifizieren und sich für die Ziele der Organisation einsetzen sollen, ist es unerlässlich alle vier Perspektiven zu betrachten und so weit wie möglich in Einklang zu bringen.

Das ist die Aufgabe, die sich aus Hendriks eingangs erwähnter Fragestellung ergibt.

Wie gelingt es also, völlig neue Denkweisen zu Führung und Management in sozialen Organisationen zu etablieren?

Der Kern liegt meines Erachtens in der direkten Beteiligung aller Beschäftigten, ausgehend von ihren persönlichen Werten. Dabei geht es um messbares, kulturelles Wertemanagement, das auch im Rahmen des Qualitätsmanagements Wirkung nachweisen kann.

Mit den Cultural Transformation Tools gelingt ein Einstieg in das Thema, beispielsweise im Rahmen eines Tagesworkshops, in dem wir eine Auswahl an Werten präsentieren und dabei drei Fragen auf den Grund gehen:

  1. Welche zehn Werte / Verhaltensweisen beschreiben am treffendsten, wer Sie sind (nicht wer Sie gerne werden möchten)?
  2. Welche zehn Werte / Verhaltensweisen beschreiben aus Ihrer eigenen Erfahrung am besten, wie Ihre Organisation zur Zeit funktioniert?
  3. Von welchen zehn Werten / Verhaltensweisen glauben Sie, dass sie für Ihre Organisation substantiell sind, damit sie ihr höchstes Potenzial erreicht?

Es ist immer wieder überraschend, welche persönlichen Ressourcen durch diese Fragen bei den Beschäftigten zu Tage treten und welche Potenziale aufgedeckt werden.
Gleichzeitig lässt sich die Bereitschaft der Beschäftigten erkennen, die Situation zu ändern und sich aktiv für eine Veränderung innerhalb der Organisation einzusetzen.

Lässt sich die Führungsebene auf einen solchen Prozess ein und unterstützt ihn authentisch und glaubhaft, können Veränderungen in Organisationen in verhältnismäßig kurzen Zeiträumen erreicht werden.

Mein Fazit: Ja, es ist möglich!

Mein Fazit lautet also: Ja, durch messbares, kulturelles Wertemanagement ist es möglich, neue Denkweisen zu Führung und Management in sozialen Organisationen zu etablieren und in Richtung Stabilität und Wachstum zu verändern.

Ist es möglich, völlig neue Denkweisen zu Führung und Management in sozialen Organisationen zu etablieren?

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